Ambulanter Hospizdienst Monschauer Land


 

25 Jahre  Ambulanter

Hospizdienst Monschauer Land

Im Herbst 1996 wurde in der Evangelischen Gemeinde Roetgen der Ambulante Hospizdienst gegründet. In Aachen gab es bereits das Haus Hörn seit zehn Jahren als stationäres Hospiz und schon 1983 war am Universitätsklinikum Köln die bundesweit erste Palliativstation eingerichtet worden.

NRW war in der Entwicklung der Hospizidee sehr früh dabei, seit Anfang der 1980er Jahre gab es ein Engagement in der Bürgerschaft, dass das Thema Tod und Sterben aus dem Tabu ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken wollte.

In einem einjährigen Kurs wurden engagierte Menschen als ehrenamtliche Sterbebegleiter/innen ausgebildet, 1997 haben wir mit den ersten Begleitungen begonnen. Ziel des Hospizdienstes ist, Menschen mit einer schweren Erkrankung ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben bis zum Tod zu ermög-lichen und die Angehörigen in der Begleitung zu unterstützen.

Die Arbeit der Ehrenamtlichen in Ver-bindung mit dem Wirken der Hospiz- und Palliativverbände führte dazu, dass 2002 das Anrecht auf hospizliche und palliative Versorgung durch die damalige Bundesregierung gesetzlich im SGB V verankert wurde.

Jetzt gab es für die Hospizdienste, die durch die gesetzlichen Krankenkassen anerkannt waren, eine finanzielle Förderung. Ziel des Gesetzgebers war es, die Finanzierung der Dienste zu verbessern, die palliative und hospizliche Versorgung in Deutschland flächendeckend zu ermöglichen und die Arbeit zu professionalisieren. Das hat der Arbeit insgesamt einen deutlichen qualitativen Schub gegeben.

Die wichtigsten Voraussetzungen, um als ambulanter Hospizdienst durch die Kassen anerkannt zu werden, sind:

  • Leitung des Dienstes durch eine hauptamtliche Fachkraft
  • mindestens 15 ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeiter
  • Gewährleistung kontinuierlicher fachlicher Begleitung der Ehrenamtlichen durch Fortbildung und Supervision
  • Vernetzung mit anderen Diensten und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialsystems
  • Begleitung Sterbender ausschließlich durch qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiter

In den vergangenen fünfundzwanzig Jahren hat sich unser ambulanter Hospizdienst zu einem selbstverständlichen Teil der Versorgung sterbender und schwerstkranker Menschen in der Region entwickelt. Zwei fachlich qualifizierte Koordinatorinnen betreuen inzwischen 37 ausgebildete Ehrenamtliche und sind mit den Hausärzten, Pflegediensten und stationären Einrichtungen gut vernetzt.

Als Pater Dr. Türks zu Beginn der 1980 Jahre die Idee eines Hospizes in Aachen anregte, gab es bei vielen Medizinern Vorbehalte in der Form, dass sie sagten: „Wir geben doch unsere Patienten nicht auf!“ Inzwischen gehört Palliativmedizin zum Medizinstudium dazu und wenn unsere Koordinatorinnen neue Kolleg-Innen in den Arztpraxen aufsuchen um unseren Hospizdienst vorzustellen und Kontakte zu knüpfen, bekommen sie immer öfter zu hören: „Palliativmedizin hatte ich schon im Studium – das hat mich interessiert!“

Insofern feiern wir nicht nur unser 25-jähriges Bestehen, sondern auch die Veränderung im öffentlichen Bewusstsein. Allerdings zeigt sich bei dem jetzt vor Gericht neu verhandelten Thema „assistierter Suizid“, dass weiterer Diskussionsbedarf besteht. Die Hospizbewegung hat immer betont, dass es um die Begleitung von Sterbenden geht, um so Sterbehilfe überflüssig zu machen. Wenn wir heute sehen, dass trotz hervorragender Schmerztherapie, trotz professioneller Palliativmedizin und trotz qualifizierter Hospizarbeit der Wunsch nach einem selbstbestimmten Tod besteht, heißt das, dass ein gutes Gesundheitssystem und angemessene Pflegeangebote nicht hinreichen.

Der Tod als Teil des Lebens muss noch einmal neu in die gesellschaftliche Debatte eingebracht werden!

Köhne, Pfarrer i. R.