Vorgängergebäude 1609 und 1683

Durch das Auftreten von „Taufgesinnten“ und frühe Spuren der „Evangelischen Bewegung“ ist autochthones evangelisches Leben schon für die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts und damit für die Zeit der Reformation im Monschauer Land anzunehmen. Schon vor 1597 könnte es eine lutherische Gemeinde gegeben haben.

Der heutigen Stadtkirche gehen evangelische Gottesdienststätten an zwei anderen Orten voraus.

In der Zeit der gemeinsamen Regentschaft über das Herzogtum Jülich durch das Fürstentum Pfalz-Neuburg und das Kurfürstentum Brandenburg fanden ab 1609 zunächst lutherische, ab 1614 reformierte Gottesdienste in der Kapelle der Burg Monschau statt. Mit der Eroberung von Burg und Stadt Montjoie durch die Spanier 1622 wurde öffentliche protestantische Religionsausübung wieder unmöglich. Lutheraner und Reformierte wurden in den Folgejahren hart unterdrückt. Während die Lutheraner sich weiter im Verborgenen im benachbarten Weiler Menzerath trafen, hielten sich die Reformierten zur Gemeinde in Gemünd.

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges und nach Abschluss des Westfälischen Friedens von 1648 dauerte es noch bis zum Religionsvergleich vom 26. April 1672, bis den Lutheranern erneut das Recht auf öffentliche Religionsausübung gewährt wurde. 1683 konnte die lutherische Gemeinde, die seit 1655 mit der lutherischen Gemeinde in Gemünd verbunden war, eine erste eigene Kirche im ungefähr 1,5 Kilometer nordöstlich von Monschau gelegenen Weiler Menzerath bauen, wohin die Gemeinde nach dem Verbot der Gottesdienste in der Stadt Montjoie bereits 1622 in eine Scheune ausgewichen war. Am 15. August 1683 wurde diese Kirche mit einem Gottesdienst feierlich eröffnet. Die Menzerather Kirche wurde 1824 wegen Baufälligkeit geschlossen und schließlich 1831 abgerissen.

Versuche, das für Menzerath errungene „exercitium religionis publicum“, d. h. das Recht am Ort öffentlich Gottesdienste zu feiern, auch auf die Stadt Montjoie auszudehnen, blieben zunächst erfolglos.

 

Autor: Jens-Peter Bentzin

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